Nach 26 Jahren an der Deutschen Schule verabschieden wir uns von Gabriele Dregger-Böhne

Nach 26 Jahren an der Deutschen Schule verabschieden wir uns von Gabriele Dregger-Böhne. 18 Jahre hat sie unsere Südschule als Abteilungsleiterin der Sekundaria geprägt und gestaltet. Aus diesem Grund haben wir ein kurzes Gespräch mit Gabriele geführt.

Was hat dich 1991 nach Mexiko geführt?

In den 80er Jahren sind wir jungen Leute viel gereist. Nach meinem Lehramtsstudium der Anglistik/Amerikanistik und Geographie für die Sekundarstufe II bin ich erst einmal auf dem Landweg nach Indien/Nepal gereist und in einem kleinen Dorf im Himalaya fast ein Jahr geblieben. Land und Leute haben mich fasziniert, damals entstand meine Überzeugung, im Ausland leben und arbeiten zu müssen.

Nach meiner Rückkehr nach Deutschland habe ich lange versucht, eine Stelle an einer Deutschen Schule in Indien zu bekommen – ohne Erfolg.

Die Deutsche Schule in Mexiko begegnete mir in der ZEIT, einer deutschen Wochenzeitung; per Stellenanzeige wurde eine Lehrkraft mit meinen Fächern gesucht. Ich hatte in der Zwischenzeit Erfahrung mit DaF gesammelt, und ich nahm die Herausforderung an.

Ein bisschen wie bei Christopher Kolumbus, dachte ich damals: Der wollte den Seeweg nach Indien entdecken und landete in Zentralamerika.

Was hat sich seit 1991 an der Deutschen Schule verändert?

Ich bin älter geworden, und viele meiner ehemaligen Kollegen sind nicht mehr da.

Das Abitur heißt heute DIA, wir unterrichten Deutsch und Englisch auf zwei unterschiedlichen Anforderungsebenen. Die Kulturwoche, die ich einst mit meinen Kollegen initiiert habe, ist zu einer super erfolgreichen grünen Woche geworden und das entspricht so den heutigen Bedürfnissen auf unserem Planeten. 

Was konntest du für die Sekundaria erreichen?

Der Notendurchschnitt für den Übergang von der Primaria in die Sekundarstufe sowie in die Oberstufe wurde angehoben. So garantieren wir, dass unsere Schüler sowohl ein erfolgreiches Jahr in Deutschland absolvieren, als auch gut vorbereitet in unsere Oberstufe gehen, egal, ob sie die Schule nun mit DIA oder BAU verlassen.

Besonders stolz bin ich darauf, dass an unserer Schule ein Klima des Vertrauens herrscht und dass die Schüler ihre Schule lieben und gerne kommen. Mein Motto war immer: Ich will glückliche Kinder an meiner Schule!

Ich will nicht den Seiteneinstieg in Klasse 7 vergessen, der es vielen jungen Mexikanern möglich macht, an unsere Schule zu kommen, weil sie das Potential haben, auch wenn sie nicht im Kindergarten eingeschrieben wurden. Dieses Programm existiert nun seit 13 Jahren und läuft mit großem Erfolg.

Welches besonders schöne Erlebnis fällt dir zur Deutschen Schule ein?

Es macht mich immer wieder zufrieden, wenn ich sehe, mit wieviel Engagement Schüler, Eltern und Lehrer unsere Sozialprojekte unterstützen. Auch die Erdbebenhilfe im Jahr 2017, als Klassenreisen und Projektfahrten gecancelt wurden, um den Opfern zu helfen, kamen von uns allen und wir alle haben ohne zu zögern mitgemacht. Auch, dass ständig neue Sozialprojekte dazu kommen, wie die Unterstützung des Orchesters in Oaxaca zeigt, dass wir uns soziale Verantwortung auf unsere Fahnen geschrieben haben.

Wenn du die Wahl hättest und es wäre jetzt 1991, würdest du den selben Weg noch einmal gehen?

Selbstverständlich. Dieses Land und diese Schule haben mir alles gegeben, was wichtig in meinem Leben ist: Hier konnte ich als Lehrerin meine erste Abiturprüfung abnehmen, hier war ich viel Jahre Fachleiterin Englisch. Hier bin ich 2001 schließlich Teil der Schulleitung geworden und konnte Dinge bewirken und mit beeinflussen.

Was wünscht du der Deutschen Schule?

Die Deutsche Schule ist eine tolle Bildungseinrichtung und die beste Schule, die ich in Mexiko kenne. Ich wünsche meiner Schule, dass sich der Charakter nicht verändert und sie eine Schule mit Herz bleibt.

Was war dein verrücktestes Erlebnis in Mexiko?

Ist es nicht überhaupt verrückt, dass in einer Mega-City wie Mexiko-Stadt die meisten Dinge funktionieren, das heiβt, wir haben Strom, wir haben Internet, wir kommen von A nach B, wenn es manchmal auch etwas dauert…

Wir haben in den vielen Jahren nur Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft erlebt – innerhalb und außerhalb der Schule.

26 Jahre Deutsche Schule, 35 Jahre im Schuldienst. Was machst du jetzt ohne Schule – Wird es nicht langweilig?

Nein. Ich bin kein Mensch, der gerne im Mittelpunkt steht, ich beobachte gerne, höre gerne zu, lerne gerne. Endlich werden wir in Mexiko wieder nach Lust und Laune reisen können, wir werden viele Dinge sehen, zuhören und staunen!

Wirst du in Mexiko bleiben?

Wer weiß? Wir lieben unser Haus und unseren Garten hier im grünen Süden, können uns aber in fernerer Zukunft auch ein Leben in Deutschland wieder vorstellen.

Wie Andreas Henkel bei der Verabschiedungsfeier sagte: „Eine Stelle kann man neu besetzten – einen Menschen allerdings niemals ersetzten.“ Wir werden dich sehr vermissen.

Wir wünschen dir im Namen der gesamten Schule viel Freude und Spaß in deinem neuen Lebensabschnitt. Genieße das Leben, die Sonne, das Land Mexiko und Deutschland. Genieße die Zeit im Kreise deiner Familie und deiner Freunde. Genieße die Kultur und mache all das, was dir gefällt!

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